Jugendliche am Colle Don Bosco
Sie befinden sich hier: HOME    AKTUELLES    ICH BIN DER GUTE HIRTE

Ich bin der gute Hirte

Veröffentlicht am: 15. Januar 2012
Referent P. Josef Weber SDB

„Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte gibt sein Leben hin für die Schafe“ (Joh 10,11): Unter diesem Leitwort stand der Studientag der Don-Bosco-Familie am 7. Januar in München. Mit seinem diesjährigen Jahresleitgedanken lädt der Generalobere Don Pascual Chávez alle, die sich mit Don Bosco verbunden fühlen, ein, das biblische Bild vom Guten Hirten zu betrachten, um davon die eigene Arbeit befruchten zu lassen.

Über 90 Mitglieder der verschiedenen Gemeinschaften der Don-Bosco-Familie, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Freunde Don Boscos waren zu Beginn des Jahres nach München ins Salesianum gekommen, um sich inhaltlich auf das neue Jahr einzustimmen. In seinem Vortrag zum Thema „Ich bin der gute Hirt“ zeigte der Referent P. Dr. Josef Weber aus Benediktbeuern auf, wie das Bild vom Hirten in der Heiligen Schrift verwendet wird. Der Schwerpunkt seiner Betrachtung lag auf der Hirtenrede im 10. Kapitel des Johannesevangeliums. Dabei wurde deutlich, dass das biblische Hirtenbild nichts mit Herrschaft und Unterordnung zu tun hat, wie es heute oft verstanden wird. Vielmehr ist es ein Bild für Fürsorge und Hingabe. Mit dem Bild vom Guten Hirten will das Johannesevangelium Jesus als den Retter bekennen, der „Leben in Fülle“ schenkt. Und sie mahnt mit dem Bild vom „Hirten“ diejenigen, denen Verantwortung über andere gegeben ist, zu einer „pastoralen Liebe“, der es nicht um „Wolle“ und „Fleisch“, sondern um das Wohl der ihnen anvertrauten Menschen gehen muss. Don Bosco sei, so P. Weber, ein solcher Hirt gewesen. Und darum sollen wir in unserer Sorge für die jungen Menschen seinem Beispiel folgen.

Am Schluss seines Vortrags erläuterte P. Weber im Anschluss an Don Caligio „10 Gebote einer pastoralen Liebe im Geist Don Boscos“, die den Teilnehmern der Studientagung sehr zu denken gaben:

  1. Hirte sein und nicht bezahlter Knecht (Joh 10, 11-13)
  2. Offene Tür für die Jugendlichen sein und nicht verschlossenes Tor (Joh 10, 7b)
  3. Stimme sein, die die jungen Menschen beim Namen nennt (Joh 10, 3)
  4. Die jungen Menschen wirklich kennen lernen (Joh 10, 14)
  5. Die Jugendlichen lieben und für sie da sein mit der ganzen Kraft seines Lebens (Joh 10, 15b)
  6. In allem bis zum Äußersten gehen (Joh 10, 10b)
  7. Sich für die Einheit von Hirt und Herde einsetzen (Joh 10, 16b)
  8. Das „Heiligtum“ verlassen (Joh 10,3c)
  9. Ihnen auf ihrem Weg vorangehen (Joh. 10,4)
  10. Auch an die Fernstehenden denken (Joh 10, 16a)

Der Generalobere fordert in seiner Präsentation zum neuen Jahresleitgedanken dazu auf, in diesem Jahr eine der bedeutendsten Schriften Don Boscos zu studieren: seine „Erinnerungen an das Oratorium des hl. Franz von Sales“, die hauptsächlich zwischen 1873 und 1875 verfasst wurden. Gerade in diesem Buch könne man viel davon erfahren, welche die grundlegenden Motivationen und Haltungen Don Boscos waren und worin sein geistliches und pädagogisches Erbe besteht. Dem Vorschlag des Generalobern folgend, führte P. Reinhard Gesing am Nachtmittag in die „autobiographischen Aufzeichnungen“ Don Boscos ein. Er erläuterte ihre Entstehungsgeschichte, ihre besonderen Merkmale und die Aussageabsicht, die Don Bosco mit seiner Schrift verfolgte. Dabei wurde deutlich, dass die „Erinnerungen an das Oratorium“ in der Tat in ihrer Bedeutung für die, die in der Spur Don Boscos unterwegs sind, nicht unterschätzt werden können. Don Pietro Braido hat diese programmatische Schrift Don Boscos als „Erinnerungen für die Zukunft“ bezeichnet, die auch für unsere Arbeit heute wertvolle Anregungen und Impulse enthalten. Das haben auch die Teilnehmer der Studientagung erfahren, als sie sich in Untergruppen besonders wichtige Textteile erarbeiteten und sich nach ihrer Botschaft für heute fragten. Die Gründungsgeschichte des Oratoriums zeigt, wie Don Bosco selbst zum guten Hirten der benachteiligten jungen Menschen geworden ist und wie er diese Sendung gelebt hat.

„Früher konnte ich mit dem Bild des guten Hirten nichts anfangen, weil ich kein ‚dummes Schaf’ sein wollte“, so fasste eine Teilnehmerin am Ende des Studientages ihre Eindrücke zusammen. „Durch das, was ich heute gehört habe, weiß ich mich dazu ermutigt, selbst Hirtin für junge Menschen zu sein.“

(Monika Fiebig)

zurück zur Übersicht