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"Mit der Liebe"

Don Boscos „Rombrief" und seine Bedeutung für die Pädagogik und Jugendpastoral heute.

RombriefCoverHerausgegeben von Reinhard Gesing SDB

Im Mai 1884 sendet Don Bosco aus Rom einen Brief an das in einer Krise befindliche Oratorium in Turin-Valdocco, um den Erziehern und Jugendlichen dort die Grundsätze aus der Anfangszeit des salesianischen Werks wieder in Erinnerung zu rufen. Kann uns dieses Schreiben heute noch Anregungen für die Pädagogik und Jugendpastoral liefern? 

 

 

Vorwort

Liebe Leserin und lieber Leser,

Der Brief vom Mai 1884, der so typisch ist für den Erzieher Johannes Bosco, ist zugleich jene Erzählung, mit der der Gründer einer Erzieherkongregation für immer unter seinen Mitbrüdern und seinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern präsent bleiben wollte. In den Briefen an die Missionare in Patagonien sehen wir dasselbe Anliegen des Erzieherpriesters, der nicht aufhörte, seine Nachfolger zu begleiten. Sein pädagogischer Stil war damals nicht allgemein üblich. In seiner Zeit war es nicht Brauch, dass Priester zusammen mit den Jugendlichen spielten, dass sie auf dem Spielplatz anwesend waren und „Zeit verloren" mit dergleichen Dingen. Für Don Bosco jedoch war der Spielplatz ein heiliger Platz, an dem ebenso sehr Erziehung geschah wie im Klassenraum. Die Begleitung von Seiten der Erzieher war für ihn nötig, und zwar bei jeder Aktivität und in jedem Moment des Lebens der Jugendlichen, die ihm anvertraut waren.

Der Stil des pädagogischen Briefes ist typisch für Don Bosco: Er hatte einen Traum. Auch der Ort seines Schreibens ist bedeutungsvoll: Er schreibt von Rom aus, dem Zentrum der Christenheit, wo er häufig mit dem Papst in Kontakt war. Auch der Zeitpunkt des Briefes ist bedeutend: Mit viel Mühe und Sorge ist er mit dem Bau der Herz-Jesu-Kirche in Rom beschäftigt. Die Treue dem Wunsch des Papstes gegenüber, der ihm den Bau dieser Kirche anvertraut hatte, und die Treue zu seiner Berufung als Erzieher und Ordensstifter bringen ihn dazu,  den Rombrief als eine „Perle von Fernbegleitung" seiner Salesianer zu verfassen.

In seinen Traumberichten hat Don Bosco oft wunderbare Dinge erzählt. Er hat seine pädagogischen Prinzipien auf diese Weise ausgedrückt, um anzuzeigen, dass sein Auftrag eine Berufung war und dass er von Gott gesandt war, um Jugendliche ohne Chancen zu ehrbaren Bürgern und guten Christen zu erziehen. Jedem Mitarbeiter und jeder Mitarbeiterin in einer salesianischen Einrichtung muss deutlich vor Augen stehen, dass Anwesenheit und Güte, Sanftheit und Vernünftigkeit ihr Leben prägen müssen. Die Erziehungsaufgabe ist eine Berufung, die das ganze Leben beherrscht und den jungen Menschen in jedem Augenblick in den Mittelpunkt stellt.

Ein weiterer typischer Aspekt dieses Briefes ist das Gespräch mit den ehemaligen Schülern. Don Bosco beauftragt häufig Jugendliche, damit sie sich ihrer Freunde annehmen. In der Strategie, die er den Missionaren in Patagonien vorstellt, sieht er vor, dass die jungendlichen Internatsschüler ihre Eltern und Familien evangelisieren sollen. Das beweist das große Vertrauen, das er in die Jugendlichen selbst setzt. So kommt es, dass die ehemaligen Schüler ihn in seinem Traum befragen und auf die grundlegenden Prinzipien seines Erziehungswerkes hinweisen. Sie haben sie gut begriffen. Das gibt Don Bosco eine enorme Genugtuung, aber zur selben Zeit tut es ihm weh zu spüren, dass seine salesianischen Mitbrüder ihn nicht verstanden haben. Wir können uns lebhaft vorstellen, dass die Salesianer sehnsüchtig auf einen Brief ihres geliebten Oberen von Rom gewartet haben, aber dass sie dieses Mal auch sehr intensiv über dessen Inhalt nachgedacht haben.

Es ist im wahrsten Sinne des Wortes „merk-würdig", das heißt würdig zu merken, dass der Rombrief in der pädagogischen Welt bis zum heutigen Tag eine besondere Bedeutung hat. Er ist und bleibt eine pädagogische Perle, die viele Erzieher und Erzieherinnen vor die Frage nach dem Kern ihrer Erziehungsaufgabe stellt. Ich hoffe, dass die Lektüre dieser Broschüre und die Vertiefung dieser Traumerzählung vielen Erzieherinnen und Erziehern die Wichtigkeit des einfachen Anwesend-Seins unter den Jugendlichen bewusst machen möge. Jeder Erzieher, jede Erzieherin, der / die im Leben eines jungen Menschen anwesend ist, bietet ja denjenigen Geborgenheit und Vertrauen, die auf der Suche sind nach Annahme und Liebe.

Bischof Luc van Looy SDB / Gent

  

Inhalt

Bischof Luc van Looy SDB

P. Reinhard Gesing SDB

P. Reinhard Gesing SDB

Don Giovanni Bosco

Einführung in die Entstehungsgeschichte des Rombriefes

P. Reinhard Gesing SDB

Prof. P. Dr. Franz Schmid SDB

Der Brief aus Rom - aus einer jugendpastoralen Perspektive neu gelesen

Prof. Martin Lechner

P. Reinhard Gesing SDB

Vorschläge zur Arbeit mit dem Rombrief in der Fortbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in salesianischen Einrichtungen

Claudius Hillebrand

Bildmeditation zu „Don Bosco als Puppenspieler" von Sieger Köder (2008)

Provinzial P. Josef Grünner SDB

Einführung

„Zu Don Bosco zurückkehren" - „neu von Don Bosco ausgehen" - „zu dem Jugendlichen zurückkehren", das sind Schlüsselworte des jüngsten Generalkapitels der Salesianer Don Boscos. (1) Sie sollen dazu anregen, auf dem Weg zu bleiben: zu einem immer tieferen Verständnis des pädagogisch-pastoralen und spirituellen Erbes Don Boscos und zu den jungen Menschen von heute mit ihren Bedürfnissen und Nöten. Zu dieser doppelten Ausrichtung auf Don Bosco und auf die jungen Menschen von heute möchte auch diese Publikation ein Beitrag sein. Sie richtet sich an alle, die an Don Bosco und seinem pädagogisch-pastoralen Erbe interessiert sind und die zugleich an jungen Menschen interessiert sind. Insbesondere richtet sich dieses Buch an die, die im Geist Don Boscos zu leben und zu arbeiten suchen.

Motiviert wurde diese Publikation durch die verschiedenen Jubiläen, die in diesem Jahr begangen werden: den 150. Jahrestag der Gründung der salesianischen Ordensgemeinschaft am 18. Dezember 1859 sowie den 75. Jahrestag der Heiligsprechung Don Boscos am 1. April 1934. Und ein drittes Jubiläum fällt in dieses Jahr: der 125. Jahrestag des „Rombriefes", den Don Bosco am 10. Mai 1884 aus Rom an die Gemeinschaft von Turin-Valdocco geschrieben hat. Dieser Brief gilt als ein Schlüsseltext des pädagogisch-pastoralen Erbes Don Boscos. Die genannten Jubiläen waren den Mitarbeitern des Jugendpastoralinstituts Don Boscos und des Instituts für Salesianische Spiritualität in Benediktbeuern ein willkommener Anlass, den Rombrief Don Boscos neu zugänglich zu machen und seine Botschaft für heute einmal mehr zu erschließen.

Dazu wurden verschiedenartige Beiträge zusammengetragen, die von ganz unterschiedlichen Perspektiven einen Zugang zum Rombrief und seiner Botschaft zu eröffnen suchen:

Die „Stationen des Lebens- und Berufungsweges Don Boscos" sollen helfen, den Rombrief lebensgeschichtlich einzuordnen.

Der Rombrief selbst wird in einer neuen Übersetzung, versehen mit vielfältigen Erklärungen und Hintergrundinformationen dargeboten.

In einem ersten Beitrag Der Rombrief - die „Magna Charta" der Pädagogik Don Boscos wird die Entstehungsgeschichte des Rombriefes skizziert.

Im zweiten Beitrag Don Boscos »Rombrief« aus einer Perspektive der Erziehungswissenschaften eröffnet Prof. P. Dr. Franz Schmid SDB von der KSFH in Benediktbeuern einen erziehungswissenschaftlichen Zugang zum Rombrief und ordnet ihn in die Geschichte der Pädagogik sowie in die heutige pädagogische Diskussion ein.

Prof. Dr. Martin Lechner von der PTH in Benediktbeuern liest in seinem Artikel „Der beste Topf auf dem Tisch ist ein frohes Gesicht" den Rombrief aus jugendpastoraler Perspektive, indem er ihn auf seine Selbst-, die Inhalts-, die Appell- und die Beziehungsaussagen hin abklopft und dabei ein ganz ursprüngliches Bild Don Boscos und seiner Anliegen skizziert.

In dem Artikel „Mit der Liebe!" soll der Versuch unternommen werden, aus einer spirituell-theologischen Perspektive „Impulse aus dem Rombrief für eine Erziehungsspiritualität im Geiste Don Boscos" zu gewinnen.  Dies geschieht in der Überzeugung, dass es für eine christlich fundierte Pädagogik heute einer lebendigen Spiritualität bedarf.

Mit Blick auf die pädagogisch-pastorale Praxis stellt sich Claudius Hillebrand, Fortbildungsreferent am Jugendpastoralinstitut, die Frage: „Wie können wir die Jugendlichen begeistern?" und sucht, dafür Anregungen aus dem Rombrief zu gewinnen. Er macht „Vorschläge zur Arbeit mit dem Rombrief in der Fortbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in salesianischen Einrichtungen".

Zum Jubiläumsjahr hat der Priestermaler Sieger Köder dem deutschen Don-Bosco-Werk ein neues Don-Bosco-Bild geschenkt: „Don Bosco als Puppenspieler". Der Maler bringt mit künstlerischen Mitteln auf ganz eigene Weise zentrale Inhalte des Rombriefs Don Boscos ins Bild. Sein Bild wurde darum in dieses Buch aufgenommen. Provinzial P. Josef Grünner SDB rundet mit seiner Bildbetrachtung „Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist" (Lk 6,36) die Reflexionen zum Rombrief ab.

Allen Autoren gilt ein herzliches Dankeschön für ihre Bereitschaft, dieses Buchprojekt zum Rombrief Johannes Boscos zu unterstützen. Dem Zentrum für Umwelt und Kultur in Benediktbeuern sei dafür gedankt, dass es die Publikation des Bildes von Sieger Köder ermöglicht hat. Möge das Buch dazu einladen und ermutigen, immer neu von Don Bosco auszugehen, um mit ihm zu den jungen Menschen von heute zu gehen. Nichts anderes wollte Don Bosco mit seinem berühmten Brief aus Rom erreichen.

P. Reinhard Gesing SDB

Institut für Salesianische Spiritualität Benediktbeuern


1)"Da mihi animas, cetera tolle". Dokumente des 26. Generalkapitels der Gesellschaft des hl. Franz von Sales, Rom 23. Februar bis 12. April 2008, hg. im Auftrag der Provinziale der deutschen und der österreichischen Provinz der Salesianer Don Boscos, München / Wien 2008, Nr. 1-22.

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