Colle Don Bosco
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Unser Weg zur Heiligkeit ist die Freude (2005)

Don Bosco von Jan Mraz


Eine Bildbetrachtung von Br. Andreas Mansfeld SDB (Jünkerath) zu einem Ölgemälde von Jan Mraz.
Ein Torbogen, vor dem sieben Jugendliche versammelt sind und gemeinsam musizieren.


Hinter den Jugendlichen steht Don Bosco, einem Jugendlichen, dem Flötenspieler, seinen Arm auf die Schulter gelegt.
Ein Don-Bosco-Bild, in Öl von Jan Mraz, das keinen Titel hat und auch keinen braucht, weil es für sich spricht?!
Zum Umfeld, in dem das Bild platziert werden kann:
Weite Hallen und lange Flure im großen Oratorio von Turin, mehrere Häuser, mit vielen Zimmern und Räumen, Klassenzimmern und Werkstätten und außerdem ein großer Spielhof und eine Kirche. Hunderte von Jugendlichen, die hier wohnen, lernen, arbeiten, spielen und beten, essen und trinken, und das Flair des Oratorios einatmen. Sie atmen nicht nur den Geist und das Flair im Oratorio, sondern gleichzeitig bilden und sind sie die Atmosphäre des Oratorios.
Das Bild könnte man sich auch als einen Schnappschuss eines Fotographen vorstellen, der im Oratorio seine Aufnahmen macht.
Sieben Jugendliche, die mit Trompete, Geige, Flöte, Klarinette, Ziehharmonika und zwei Trommeln gemeinsam musizieren. Zumindest bei einem der beiden Trommler scheint es so, als ob auch kräftig mitgesungen wird.
Die Jugendlichen vermitteln nicht den Eindruck einer ernsthaften Musikprobe. Auch brauchen sie keine Noten, sondern sie lassen sich von der gemeinsamen Musik fesseln und geben jeder für sich ihr Bestes. Viel Leidenschaft und Begeisterung kann der Betrachter auf den Gesichtern ablesen.

  1. Zunächst dachte, ich sie brächten Don Bosco ein Ständchen, vielleicht zu seinem Namenstag.
  2. Es hätte auch sein können, dass sie dem vorbeikommenden Don Bosco ein Zeugnis ihres Könnens demonstrieren wollen. "Hören Sie Don Bosco, was wir einstudiert haben".
  3. Oder Don Bosco hat sie angeheuert für einen bestimmten Anlass einige Musikstücke einzuproben und zugesagt, später werde ich zu euch kommen und mir anhören, was ihr geübt habt. Da der Künstler Jan Mraz dem Bild keinen Titel gegeben hat, sind weiteren Spekulationen und Gedanken keine Grenzen gesetzt.

Ich stelle mir die "Entstehungsidee" des Künstlers für das Bild mal so vor: Don Bosco hört Musik und geht der Musikquelle nach und findet die Jugendlichen in ihr Spielen und Singen vertieft. Seine aufmerksame Anwesenheit nehmen sie entweder nicht wahr oder diese beeinflusst sie offenbar nicht.
Auch wenn es irgendeinen bestimmten Anlass oder Auftrag gegeben hat, so vermochte dieser Umstand keinen Druck auf die Jugendlichen auszuüben oder ihrer Freude und Begeisterung einen Abbruch zu tun.
Bei längerer und wiederholter Betrachtung des Bildes neige ich zu folgender Interpretation:
Wie war das Oratorio zu Zeiten Don Boscos?
Für Don Bosco gehörten zu jeder seiner Einrichtungen ein Haus, ein Spielhof, eine Blaskapelle, eine Kirche und eine Schule. Für ihn war es wichtig, dass die Jugendlichen ihren Fähigkeiten entsprechend gefördert wurden. Neben einer qualifizierten Ausbildung, sollten sie in der Freizeit die nötige Entspannung, Freude und Begeisterung am Spiel finden können.

Die Jugendlichen von damals waren in ihren Ansprüchen sicherlich nicht so verwöhnt wie Jugendliche unserer Zeit, die sich mit CD und DVD in optimaler Klangqualität jegliche Musik anhören können.
Dieses individuelle Üben und Sich-Weiterentwickeln, verbunden mit den Erfolgen wird dann irgendwann zum Selbstläufer. Dem Jugendlichen macht es mehr und mehr Spaß und je mehr Spaß es ihm macht, desto eifriger übt er auch und wird somit folglich immer besser.
Irgendwann kommt dann auch noch die Faszination dazu, wenn der Musiker merkt, mein Können harmoniert mit anderen und steigert den Reiz an der Musik noch um vieles mehr.

Gemeinsames Musizieren und Sozialverhalten haben viele Parallelen. Gleicher Takt und Rhythmus, dieselbe Tonart und Stimmung ermöglichen erst das Zusammenspielen.
Don Bosco wusste auch um die Wichtigkeit von Erfolgserlebnissen für die Entwicklung des jungen Menschen.

Ihm war es wichtig, den guten Kern im Jugendlichen zu sehen und seine Talente aufzuspüren und diese dann zu verstärken. Sei es im Beruf, in Schule öder Freizeit, er wollte den jungen Menschen Anerkennung und Bestätigung und dadurch Stärkung des Selbstwertgefühles und der Lebensfreude finden lassen.
Erinnern wir uns an die Begegnung Don Boscos mit Bartholomäi Garelli, welcher von ihm gefragt wurde, ob er denn (wenigstens) pfeifen könne.
Don Bosco war ein Talentsucher. Aber sicherlich nicht so wie heute, wenn bei "Deutschland sucht den Superstar" junge Menschen unter enormem Druck ausgebeutet und gnadenlos vermarktet werden.

Wenn ich anfänglich vom Einatmen des Flairs im Oratorio gesprochen habe, so weiß ich, dass die Ziehharmonika die Luft braucht um zu tönen. Wenn dabei dann Musik, frohe Musik entsteht und dann noch mit einem lächelnden und aus voller Brust mitsingenden Jugendlichen, dann ist es die Luft des Oratorios, die das vermag.
Ein bettelnder Junge in irgendeiner Straße Turins, der sich durch das Spiel eine kleine Gabe zum Überleben erhofft - die Ziehharmonika und der Junge könnten die Gleichen sein - die Musik aber wäre sicherlich eine andere.
Vielleicht möchte man nun, nach diesen Betrachtungen und Gedanken, dem Bild einen Titel, einen Namen geben.

Wie auch immer der Titel lauten mag,
frohe und freudige Musik und dadurch
frohe und strahlende Jugendliche und dadurch
ein froher und glücklicher Don Bosco wären meine Optionen.
Die Empfehlung Don Boscos an seinen Schüler
Dominikus Savio möchte ich auch an uns weitergeben:
"Unser Weg zur Heiligkeit ist die Freude"!

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