Colle Don Bosco
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Ein Platz für Don Bosco (2008)

Don-Bosco-Skultur aus Velbert


Eine Betrachtung von P. Rudolf Kelzenberg SDB (Bonn) zu dem Architekturprojekt von Thomas Kessler (Düsseldorf) auf dem Kirchplatz von St. Don Bosco (Velbert-Birth).


Beim morgendlichen Blick aus dem Küchenfenster erschrak ich immer wieder: Was will diese Frau schon am frühen Morgen bei "Don Bosco"? Beim zweiten Blick sehe ich die Bronzestatue einer Frau, deren Bewegungsrichtung auf eine männliche Figur am anderen Ende des Platzes zuläuft. Die im Pflaster eingelassene Messingschiene deutet eine Beziehung zwischen beiden Personen an. Gehen wir mit der Frau einige Schritte weiter in den Platz hinein, dann erweitert er sich zu einem großen Halbrund, flankiert von Kirche, Kindertagesstätte, Pfarrzentrum und Pfarrerwohnung. Rechts auf dem Platz erblickt der Besucher die Plastik eines mit wehenden Haaren laufenden Mädchens, dessen Laufrichtung den Weg der Frau zu dem Mann kreuzt. Das Ziel des Laufes wird erst erkennbar, wenn der Betrachter die Ebene des Platzes erreicht hat. Dort öffnet sich unvermutet dem Blick nach links die Weite einer gebogenen Wand.
In größtmöglicher Ferne, an der höchsten Stelle des Rundhorizontes der Bühne steht auf einem niedrigen Sockel Don Bosco, Hauptfigur der Gruppe und Namenspatron der Kirche im Hintergrund. Er steht in klarer Frontalität dem Kind als ruhender Pol gegenüber.

Die Figuren laden ein zum Verweilen, den Platz zu füllen, sich miteinander auszutauschen. Kinder werden eingeladen, miteinander zu spielen. Thema des Platzes ist nicht nur der in Linien angegebene Weg der Figuren, sondern auch das Begehen des Platzes durch die Besucher. Sie werden zum Bestandteil des Platzes, sie gehören zu der Figurengruppe. Und mit allen steht in Beziehung - Don Bosco, nicht auf einem hohen Postament, sondern eher herausgewachsen aus einem knorrigen Baumstamm, der tiefe Wurzeln hat. Es sind die Wurzeln seiner bäuerlichen Herkunft in einem Land mit Sonne und Regen, mit Unwetter und Sturm, mit Missernten und Hungersnot; seit seiner Kindheit ist er damit vertraut. Dort sind aber auch die Wurzeln seines Glaubens, genährt durch eine Mutter, die zwar weder lesen noch schreiben konnte, aber dem Jungen einen Glauben erfahren ließ, von dem Don Bosco ein Leben lang zehren konnte. Rechts von Don Bosco befindet sich in einer Nische ein Brunnen, dessen Wasser über eine Schale in den Brunnentrog plätschert.

Unwillkürlich kommt einem der Prophet Jeremia in den Sinn, der sagt: "Gesegnet der Mann, der auf den Herrn sich verlässt und dessen Hoffnung der Herr ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, unablässig bringt er seine Früchte" (Jer 17,7-8).
Wer ein wenig Don Boscos Leben kennt, weiß, dass er ein Gottvertrauen hatte, das keine Grenzen kannte. Für seine Kinder und Jugendlichen tat er alles im Glauben und in der Hoffnung, dass Gott das Größere tun würde.

Kinder und Jugendliche beziehen die Don-Bosco-Figur gern in ihr Spiel und in ihre Unterhaltung ein: Mal beklettern sie sie wie einen Berg, von dem sie Ausschau halten können; mal ziehen sie ihr ihre Lederjacke an und setzen ihr ihren Schutzhelm auf. Don Bosco ist einer von ihnen, aber immer gehen sie respektvoll mit ihm um. Er ist einer von ihnen - und doch ist er mehr. Er ist Freund und Vorbild, Spielkamerad und Ratgeber. Ja er ist ein Heiliger, d.h. er ist bei Gott, aber auch mitten unter ihnen. So schenken sie alle ihm ihr Vertrauen: die Frau, die müde wirkt, weil sie Sorgen hat; der Mann, der sich von ihm einen Rat holt; und das Mädchen, das mit wehenden Haaren und mit lachendem Gesicht direkt auf Don Bosco zuläuft, weil es weiß: Hier ist einer, der versteht mich. Wenn ich ihm vertraue, dann vertraue ich Gott, meinem Vater. Wie sagt doch Don Bosco selbst?: Halte dich an Gott wie der Vogel, der nicht aufhört zu singen, auch wenn er spürt, dass der Ast nachgibt, weil er weiß, dass er Flügel hat."

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