Colle Don Bosco
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Ein Heiliger bekennt Farbe (2002)

Don Bosco von Goyo

Eine Meditation von P. Toni Dötsch SDB ( Essen) zu einem Don Bosco Bild des spanischen Malers Goyo (1988).


Im Eingang zum Don-Bosco-Gymnasium in Essen-Borbeck hängt ein 1,60 x 2,40 Meter großes farbenprächtiges Don Bosco Bild. Bei Fest und Feier in Verbindung mit dem Jugendapostel dient es immer wieder zur Dekoration, zu einem Blickfang und zu einem deutlichen Hinweis, in wessen Geist sich die Menschen versammeln. Der spanische Maler Goyo hat 1988 dieses Bild zum 100. Todestag des großen Jugenderziehers und Priesters gemalt. Das große Plakat weckt auch beim Vorübereilen Aufmerksamkeit und hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck.
Auch wer nur kurz verweilt, entdeckt leicht vier unterschiedliche Farbfelder, mit teils klaren Abgrenzungen, die ganz bewusst gestaltet wurden. Vom Betrachter aus beginnt links eine Fläche mit einem chaotisch dunklen Bereich, wechselt über in einen ockergelben Streifen, der die rechte Gesichtshälfte betont. Gleich einem Lichteinfall von oben wird die andere Gesichtshälfte unnatürlich bunt erleuchtet. Den weiteren Hintergrund bildet ein aufgelöstes Farbenspiel von goldgelb, blau und grün. Große Flächen sind mit leichtem Pinsel gemalt, lockere Farbtupfer sind wie achtlos hinge-worfen, man spürt gleichsam, dass der Gesamteindruck entscheidend sein soll.
Durch die Farben hindurch zeichnen sich die schweren Konturen eines kräftigen Kopfes ab. Vielen ist er von Fotos her bekannt. Die spanische Bildunterschrift sagt kurz: Don Bosco, Gründer der Salesianer, Erzieher und Vater der Jugendlichen, Profet einer neuen Botschaft.
Wer Don Bosco kennt, wird bei den bunten Farben an den Gaukler erinnert, der mit seinen Künsten die Menschen erfreute, an den Zauberer, der mit seinen Tricks die Menschen in Erstaunen versetzte, an den heiteren und liebenswerten Menschen, der mit seinem Charme die Menschen gewann und selbst Gegner sich zu Freunden machte.
Aus dem Dunkel seiner harten Kindheit ist er mit seinen Fähigkeiten und Anlagen zu einem kraftvollen Mann gereift. Tatkräftig konnte er in seinem Leben zupacken und ein großes Jugendwerk aufbauen. Das geheimnisvolle Lichtspiel kann uns darauf hinweisen, dass Don Bosco in seinem Wirken in besonderer Sendung stand. Das Bild des Priesters ist noch in der herkömmlichen Kleidung erkennbar, aber die aufgelösten Konturen lassen an einen Menschen denken, der sich nicht hinter Amt und Würde verbarg, sondern locker und offen auf Menschen zuging. Mit Humor und Einfühlungsvermögen, mit Kreativität und mit heiterem Sinn begegnete er allen Menschen. Voller Vitalität und Einfallsreichtum, kühn und unternehmungslustig zeigt er durch sein Leben, dass Heiligkeit Farbe haben kann. Dazu braucht es keinen üblichen Heiligenschein.
Als Kind aus ärmlichen Verhältnissen hat er stets an sich gearbeitet, seine Leidenschaften und Anlagen in Dienst genommen und sie in seinem gewinnenden Wesen zur Auswirkung gebracht. Bei ihm fühlte man sich wohl, seine Nähe tat gut und veränderte Menschen zum Guten hin. Seine gütigen Augen, sein helles Gesicht und sein lächelnder Mund brachen jeden Widerstand und brachten selbst hartgesottene Sünder zur Umkehr und zu neuem Lebenswandel. "Durch eines guten Menschen bloßes Dasein allein wird die Welt hell und schön."(Peter Lippert) Wie sehr trifft das auf Don Bosco zu, der seine Wärme und Menschlichkeit mit seiner Maxime unterstützte: Gutes tun, fröhlich sein und die Spatzen pfeifen lassen. "Licht der Welt" (Mt. 5.14) wollte und konnte er sein; ein Original wie ein Leuchtturm, der mit seinen je eigenen Kennzeichen, einmalig in Farbgebung und Struktur, den Menschen den rechten Weg weist.
"Der Teufel hat Angst vor einem fröhlichen Menschen", sagt dieser Jugendfreund - wir könnten für ihn ergänzen: vor einem "bunten" Menschen. Wo sollte der Teufel bei diesem Gott verbundenen Menschen ansetzen?
Beim Stolz? - er konnte über sich selbst lachen; bei den Leidenschaften? - die konnte er bändigen und in Dienst nehmen; bei der Frömmigkeit? - da wusste er sich gut aufgehoben in der Hand Gottes.
Die Augen schauen fest und vertrauenserweckend, der Mund ist entschlossen, doch von einem Lächeln umspielt. Da ist jemand der weiß was er will. Doch unverkrampft und wendig geht er auf sein Ziel zu. Ernsthaftigkeit ist gepaart mit Fröhlichkeit, Gottverbundenheit mit Menschenfreundlichkeit, Schläue mit Heiligkeit. Don Bosco ist ein Heiliger zum Anfassen und er lädt ein, sich auf ihn einzulassen, mit ihm zu gehen und mit ihm die Welt zu verändern.

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