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Ein Buch lehrt die Wahrheit in Ruhe (1996)

Ein Buch lehrt die Wahrheit in Ruhe


Eine Bildbetrachtung zu einem Dyptichon von Agnes Auffinger von P. Johannes Wielgoß SDB.


Nur kurz fällt der Blick auf eine kalte blaue Fläche mit bizarren und sich auflösenden Formen, um dann hinüberzugehen zu der Person, die an den rechten Bildrand gerückt ist, zuerst wohl auf ihr Gesicht, dann hinab auf ihre Hände.
Johannes Bosco scheint an den Rand gerückt, doch ist er durch das vorherrschende Blau mitten ins Bild gesetzt.
Wir sehen ein unruhiges Bild, auf das wir uns zunächst einlassen müssen, um über die Einzelbilder eine Ordnung und Beziehungen zu entdecken.
Da öffnet sich in Abstufungen von Blautönen eine weite Landschaft mit Gebirgssilhouetten, einem Kirchturm und einem See, in dem sich zart das kreisende Sonnenlicht spiegelt. Strahlt es auch das Gesicht Johannes Boscos an?
Die Künstlerin hat die Farben der Sonne auf das Gesicht und die Hände Johannes
Boscos gelegt.
Bewahrend liegt die linke Hand auf einem geschlossenen Buch, während die rechte nach oben geöffnet auf das Buch hinweist. Um das Buch herum bricht das Rot des Feuers durch, eine glühende Farbe, die auch die Hände umfasst. Hände und Buch gehören zusammen.Gegensätze bestimmen das Bild: leuchtende Farben und Helligkeit einerseits und dunkles, kaltes Blau andererseits, harte, kantige Formen und weiche, sich auflösende Linien.Die Komposition des Bildes ruft in mir Vorstellungen wach, die für das Leben des heiligen Johannes Bosco so bezeichnend waren. Es sind pfingstliche Bilder der Veränderung und des Übergangs: "Beuge, was verhärtet ist" - "Wärme, was erkaltet ist" (Pfingstsequenz)
Johnnes Boscos Leben war ganz allein dem Ziel verschrieben, die mit ihm lebenden Menschen zum Glauben zu bewegen. Das ist der Übergang von Hart und Weich, von Kalt zu Warm, das ist wie das Entzünden eines Feuers. Johannes Bosco hat gesagt: "Ich halte mich in allen meinen Unternehmungen an folgende Regel: "Zunächst prüfe ich, ob ein Werk zur größeren Ehre Gottes und zum Heil der Seelen gereicht. Wenn es so ist, dann gehe ich voran mit dem festen Glauben, dass Gott es nicht an seinem Beistand fehlen lassen wird."
Die Künstlerin hat das Wesen eines Zeugen des Evangeliums ins Bild gesetzt: Es gibt vielleicht nur wenige Menschen, denen der Satz des Evangeliums so auf den Leib geschrieben ist wie Johannes Bosco: "Ihr seid das Licht der Welt" (Mt. 5, 14). "Was hilft das Weinen über so viel Übel in der Welt?" fragt Don Bosco und gibt gleich die Antwort: " Es ist besser, sich aller Kräfte zu bedienen, um sie zu beheben." Johannes Bosco setzt auf die verändernde Kraft des Evangeliums Jesu Christi, das er zu allen Menschen tragen will.
Am 19, März 1885 hat er in einem eindringlichen Rundbrief an die Salesianer empfohlen, das gute Buch als Mittel der Verkündigung der Botschaft Jesu einzusetzen: "Ich zögere nicht, dieses Mittel, 'Göttlich' zu nennen, weil Gott selbst es für die Erneuerung des Menschengeschlechtes benutzte."
Im Buch liegt verändernde Kraft.
Agnes Auffingers Don-Bosco-Bild deutet auf die Sendung Johannes Boscos als einen Hinweis an den Betrachter: das gute Buch als stillen Freund für die Menschen bei der Hand zu haben.


Agnes Auffinger, geboren 1934 in München ist Malerin, Graphikerin und Plastikerin.
Die Jugendbildungsstätte St. Altfried in Kettwig besitzt einen Kreuzweg von ihr; für die Jugendbildungsstätte Don Bosco in Rummenohl hat sie einen prophetischen Don Bosco geschaffen; das Gegenstück zu diesem befindet sich im Besitz des St. Johannesstiftes in Essen-Borbeck. Gemalt 1976, Öl auf Leinwand. Foto: Willi Brüseke.

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