Colle Don Bosco
Sie befinden sich hier: HOME    SPIRITUALITÄT    BILDMEDITATIONEN    DON BOSCO UND BONIFATIUS (2003)

Don Bosco und Bonifatius (2003)

Don Bosco und Bonifatius

Eine Betrachtung von P. Georg Demming SDB (Bonn) zu einem Wandteppich in der Pfarrkirche St. Winfried (Bonn).


Das Bild zeigt anschaulich, wie der hl. Bonifatius und Don Bosco auf einem bewegten Wasser in einem großen Boot stehen und in Sicherheit sind. Ringsum sind einige kleinere Booten.
Der hl. Bonifatius ist in der Kleidung eines Bischofs. Er ist der große Apostel der Germanen und verkündet das Wort Gottes. Die Bibel, die er in der Hand hält, ist von einem Schwert durchbohrt; ein Hinweis auf seinen Martyrertod in Dokkum, Friesland, wo er während einer Missionsreise im Jahr 754 n. Chr. von heidnischen Truppen mit seinen Gefährten ermordet wurde.
Neben dem Bischof steht in gleicher Größe Don Bosco, der in einem Korb Brote hat und sie durch zwei Jungen, die auch in diesem großen Boot sind, verteilen lässt. Die Szene erinnert an das Brotwunder (Joh.6,1-15), als Jesus die 5000 Leute mit fünf Broten und zwei Fischen speiste und das Brot durch die Jünger verteilen ließ.
In den kleinen Booten sind Kinder, die offensichtlich die beiden Heiligen um Hilfe bitten, denn ihre kleinen Boote sind in der stürmischen See in Gefahr. Ihre ausgestreckten hilfesuchenden Arme und Blicke sind auf das große Boot mit den beiden Heiligen gerichtet. Welche Hilfe erbitten sie: Nahrung? Schutz und Sicherheit in ihrer Nähe? die christliche Botschaft für ihr Leben? Das Bild legt die Antwort nahe, dass beide Heiligen ganzheitlich helfen wollen. Das ist es wohl auch, was Don Bosco und Bonifatius verbindet; denn es ist doch selten, dass diese bei den Heiligen auf einem Bild zusammengebracht werden.
Bonifatius hat den germanischen Volksstämmen den christlichen Glauben verkündet. Im Auftrag des Papstes Gregor 11 hat er die Kirche in Germanien neu geordnet; er hat viele Bistümer und auch Klöster gegründet. Als Benediktinermönch lag ihm eine ganzheitliche Hilfe für die Menschen am Herzen. Z. B. wird aus der Gründungsgeschichte des Klosters Benediktbeuern deutlich, dass die Mönche neben der Kontemplation das Land rodeten und fruchtbar machten, die Kultur in ihrer Umgebung förderten und so ein Segen für die ganze Umgebung wurden.
1100 Jahre später hat Don Bosco das Evangelium auf die uns bekannte Art verkündet: er war Vater, Lehrer, Erzieher und Seelsorger für die benachteiligte Kinder und Jugendlichen, die auf der Straße lebten; so gab er ihnen ein Zuhause und eine Zukunft. Als Priester wurde Don Bosco für seine Zeit zugleich ein Sozialpionier, dessen Tun noch heute weltweit ein gültiger Maßstab ist für eine ganzheitliche Hilfe, die benachteiligte Kinder und Jugendliche besonders brauchen.
Auf dem Bild sind mit den beiden Heiligen zwei Seiten des christlichen Apostolates dargestellt, die jedoch eng zusammengehören und sich ergänzen: die Verkündigung des Evangeliums, die Weitergabe des Glaubens und andererseits die soziale Tat, die dem Menschen in konkreter Not hilft. Dass auf dem Bild vor allem jungen Menschen geholfen wird, ist ein Hinweis auf die salesianische Familie, die wie Don Bosco versucht, überall in der Welt der Not von Kindern und Jugendlichen zu begegnen und dadurch die frohe Botschaft verkünden.
Das Bild ist eine Herausforderung für alle Christen, besonders für die Mitglieder der salesianischen Familie, dass sie ihre Arbeit für und mit den jungen Menschen nie einseitig sehen: nur als Sozialarbeiter, als Ausbilder oder als Verkünder des Glaubens. Beide Heiligen wollten die ganzheitliche Förderung junger Menschen. Das kann allerdings bedeuten, dass ein hoher persönlicher Einsatz gefordert ist.

Der Wandteppich ist in der Pfarrkirche St. Winfried (Bonn) wurde 1978 im Kloster Reute von Sr. M. Ludgera angefertigt.

zurück