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Don Bosco - er träumte einen Traum (2010)

Don Bosco - er träumte einen Traum

Eine Betrachtung von P. Ernst Kusterer SDB zu einem Holzschnitt von Sr. M. Sigmunda May OSF

Auch wenn Schwester Sigmunda M. May, Franziskanerin vom Kloster Sießen in Baden-Württemberg, als Person sehr bescheiden ist und nicht viel Aufhebens von sich macht, ihre großformatigen Holzschnitte sind weltweit bekannt. Ausstellungen im In- und Ausland sind Publikumsmagnete. Die Karten ihrer Bilder, ihre eigenen Bildbände und die zahlreichen Veröffentlichungen ihrer Holzschnitte unterstreichen den Bekanntheitsgrad und die unermüdliche Schaffenskraft der Künstlerin.

Nach dem Abschluss an der Kunstakademie Stuttgart wirkte Schwester M. Sigmunda May 35 Jahre mit großer Begeisterung als Kunsterzieherin an einem von ihrer Ordensgemeinschaft geleiteten Gymnasium in Stuttgart. Als freischaffende Künstlerin ist sie seit 2002 im Kloster Sießen tätig. Personen, Worte und Szenen aus der Hl. Schrift, oft jahrelang betrachtet und meditiert, sind die bevorzugten Themen ihrer Bilder. Kraftvolle Bewegungen, ausdrucksstarke Hände und Füße, aber auch der intensive Blickkontakt der dargestellten Personen sind ihr besonders wichtig. Es sind gleichsam Markenzeichen ihrer Werke.

Die Salesianer Don Boscos in Stuttgart mussten lange warten, bis Schwester M. Sigmunda ihrem Wunsch nachkam, ihnen ein Bild ihres Ordensgründers Johannes Bosco zu gestalten. Wie sollte eine so beschäftigte Künstlerin auch Zeit haben, sich in die Bücher über das Leben des Heiligen einzulesen und sie zu studieren! Der Fingerzeig kam von oben! Beim Abbau einer Aus-stellung fiel Schwester Sigmunda ein schwerer Bilderrahmen auf den Fuß. Der Fußknochen splitterte, Schwester Sigmunda musste das Bett hüten. Sie hatte endlich Zeit, das Leben des Heiligen zu meditieren. Beim Festakt zum 10-jährigen Jubiläum der Salesianer Don Boscos in Stuttgart, am Don Bosco Fest 2009, überreichte Schwester M. Sigmunda May, den Patres „ihren“ Don Bosco.

Auf den Betrachter wirkt das Bild wegen seiner „Ungleichzeitigkeit“ zunächst etwas befremdend. Ist es richtig, Jesus und Don Bosco auf einem Bild darzustellen? Ohne Zweifel ist es gut und sinnvoll, denn Don Bosco war es ein lebenslanges Anliegen, Jesus nachzufolgen und auch viele Menschen, besonders junge Menschen, zur Christusnachfolge einzuladen. Unser Bild zeigt den Heiligen nicht als Zauberkünstler, als Seil-Tänzer, als Anführer, als Pädagogen, der die Jugendlichen durch seine vielfältigen Fähigkeiten begeistert. Schwester Sigmunda May nennt „ihren“ Don Bosco einen Träumer. „Don Bosco - er träumte einen Traum“ so der Titel. Träume hatte Don Bosco viele, einige sogar, die sein Leben radikal veränderten und prägten. Auch einen Traum über den Umgang mit Jugendlichen oder einen Traum über die Situation der Kirche. Wegen seiner Träume wurde er verlacht, verleumdet, angefeindet, aber auch bewundert und verehrt. Angeregt durch seine Träume ging er unbeirrt seinen Weg für die Jugend. Er nahm Verlassene auf, sie fan-den einen Vater. Er hielt Lästige aus, sie fanden Anerkennung. Er wies Unsichere ein, sie bekamen Selbstvertrauen. Er bildete Ungebildete aus, sie wurden Fachleute. Besonders aber: er zeigte Gottfernen Jesus, betete mit ihnen und sie fanden zum Glauben.

Im Zentrum des Bildes steht weder Jesus noch Don Bosco sondern beide zusammen! Die Innigkeit, ja die Intimität zwischen Don Bosco und Jesus, seinem Freund und Lehrer, sind deutlich spürbar. Es ist Ausdruck dieser Beziehung, dass Don Bosco die Jugend sammelte, sie zu Jesus führte, und zugleich auch Jesus zu den Jugendlichen brachte. Eine Beziehung steht im Mittelpunkt, die Beziehung Jesu zu den Menschen und die Beziehung der Menschen zu Jesus. Jesus hat die Arme weit ausgebreitet und lädt alle ein, zu ihm zu kommen. Mit Freude erwartet er die Jugendlichen, die Don Bosco zu ihm bringt, damit er sie umarme. Don Bosco blickt auf Jesus, als wolle er ihm sagen: Schau, all diese Kinder und Jugendlichen bringe ich zu dir. Sie brauchen dich alle. Der gute Kern in ihnen ist ein Abbild der grenzenlosen Liebe, die du den Menschen schenkst. Die Jugendlichen blicken auf zu Jesus, als wollen sie etwas von ihm erwarten: sie erwarten seinen Segen, damit ihr Leben gelingt. Sie fassen sich an den Händen, sie sind eine Gemeinschaft, eine Familie. Ihre großen Hände sind weit ausgestreckt, als wollten sie alle Jugendlichen der ganzen Welt zu Jesus einladen. Eine offene Gemeinschaft, die alle einladen möchte, mit zu Jesus zu gehen. Diese Beziehung ist keine theoretische, sondern eine ganz praktische: Hände und Füße sind besonders groß und ausgeprägt dargestellt. Geerdet, mit bloßen Füßen und mit aufgekrempelten Armen steht Don Bosco unter den Seinen, Zeichen seiner Armut und seines Arbeitseifers. Alles auf dem Bild ist in Bewegung. Die Beziehung ist dynamisch und prozesshaft, also ein Weg, der zu gehen und zu bewältigen ist. Auffallend: Jesus hat die Augen weit geöffnet. Es ist der österliche Christus, der den Menschen entgegengeht. Er erinnert daran, dass „salesianische Spiritualität“ eine österliche Spiritualität ist, eine Spiritualität des Lebens und der Freude.

In der Gruppe der Menschen, die Don Bosco zu Jesus führt, dürfen wir auch uns selbst entdecken. Don Bosco führt uns alle als seine große Don Bosco Familie zu Jesus. Wir alle sind eingeladen, den Weg in Gemeinschaft mit Don Bosco zu Jesus Christus zu gehen. Jesus umarmt jeden von uns und sendet uns wieder in die Welt, um für die Menschen da zu sein: wie Don Bosco.

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