Colle Don Bosco
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Don Bosco (1995)

Don Bosco von Agnes Auffinger


Eine Bildbetrachtung von Pfarrer Norbert Hoffmann (Gladbeck) zu einem Diptychon von Agnes Auffinger (Dossenheim) in der Jugendbildungsstätte Don Bosco, Rummenohl.


Neulich suchte ich ein Bild Don Boscos zur Illustration eines Buches. Ich wählte den Don Bosco aus dem Petersdom in Rom:
Ein Junge und ein Mädchen lehnen sich schutzsuchend an Don Bosco. Der legt einen Arm schützend um die beiden, mit der anderen Hand weist er ihnen den Weg. Das ist »der« Don Bosco, den ich kenne: Ein Mann, ein Priester, der die Ärmel aufkrempelt. und der mitten unter der Jugend lebt und arbeitet.
Der Don Bosco der Malerin Agnes Auffinger in Rummenohl ist mir eher fremd:
Da sitzt ein durchgeistigter, junger Mann auf einem bequemen Sessel, ein Buch auf dem Schoß, in das er etwas hineinschreibt. Vielleicht ein Tagebuch? Die Augen sind auf den Betrachter gerichtet. Das andere: die Hochhäuser einer modernen Stadt, das weite sonnenüberflutete Land, Früchte des Feldes, eine kleine Kirche, Bücher, ein Kreuz - wie zu einem Stilleben mit einem blauen Tuch drapiert -, das alles lässt er rechts liegen.
Zwar sind die Symbole auf der linken Bildhälfte des Dyptychons klar: Das Land und die Früchte für die Herkunft Don Boscos. Ein Mann vom Lande, mit dem Boden fest verwurzelt, kein Spinner, mit beiden Beinen fest auf der Erde. Ein Mann der weiß, dass die Früchte keinem in den Schoß fallen, sondern das Ergebnis harter Arbeit sind. Die kleine Kirche auf dem Tuch - ein Leichentuch, ein Tischtuch? - für seine zweite Herkunft. Ein Mann der Kirche, die Kirche - unscheinbar gegen die aufragenden Hochhäuser - in das Tuch der Besitzenden tief eingebettet, von ihm geliebt, nie verlassen, nicht mit einem Gedanken.
Vielleicht ist sie auch Brücke zwischen dem Land und der Großstadt. zwischen der Herkunft und der Zukunft, zwischen der Berufung und der Arbeit im Weinberg. Klein gegen die aufragende Stadt, und doch scheint es: selbst wenn die Stadt über sie hereinbrechen würde, die Stadt würde sie nicht verschlingen - eher das Tuch. Und daneben das schmucklose, liegende Kreuz: ist für Don Bosco die Kirche Kreuz oder ist es die Stadt - oder gar das Tuch? Nicht weggeworfen - sondern abgelegt, nicht fort gestoßen, sondern angelegt, als Maßstab vielleicht für die Kirche, für das Tuch, für die Arbeit - für sich selbst?
Bücher zwischen ihm und allem anderen: sind es fertige Tagebücher? Eines schreibt er dann doch auf dem Schoß. Tagebuch für Rechenschaft und Wollen? Oder sind sie HI. Schrift? Wie die Kirche: Brücke und Wegweiser zwischen Idee und Werk. Oder sind die Bücher Zeichen für eine andere Art Arbeit im Weinberg des Herrn? Verkündigung durch das geschriebene Wort.
Alles beherrschend die aufragenden Häuser der Stadt: bedrohlich. Vielleicht aber auch: die Stadt auf dem Berge; der Ort, in dem der Mann sich verwirklicht, der Priester, seine Idee, seine Berufung. Die Stadt: sein Weinberg! Die Symbole sind deutlich -, aber deuten sie das Bild?
Wäre das Diptychon ein Gleichnis, so wie Jesus sie erzählte, dann gäbe es nicht einzelne Zeichen, sondern einen Punkt. Den springenden Punkt: auf Bild- und Sachhälfte, wie beim Gleichnis "vom verlorenen Sohn": die Barmherzigkeit des Vaters. Das Diptychon - ein Bild in zwei Teilen - könnte diese Deutung verlangen.
In der Bildhälfte der Priester Don Bosco, vergeistigt, in sich gekehrt, fast verträumt, aufschreibend oder verzeichnend (visionär?), nachdenkend in jedem Fall, vielleicht: Meditation.
In der Sachhälfte zwingend deutlich als Gegenpart: die aufragende Stadt - bedrohlich, rufend, verlangend, Feld seiner Arbeit. Auf diesem Acker sät er den Samen seiner Berufung, seiner Idee, seiner Träume. Und das geht nur mit beiden Beinen fest auf der Erde verwurzelt, durch harte Arbeit Früchte tragend, mit der Kirche - wie sie ist, mit der Schrift, mit dem Kreuz.
Don Bosco ist so groß wie die sich türmende Stadt. Frucht bringen: das geht eben nur mit der Ruhe der Innerlichkeit, meditierend, in die Mitte eindringend. in die eigene und die der Stadt. Vielleicht ist dies der springende Punkt: fruchtbare Arbeit im Weinberg des Herrn ist nur dem Arbeiter möglich, der sich der Sonne aussetzt.


Wir danken Frau Auffinger und Herrn Pfarrer Hoffmann für die Genehmigung zur Veröffentlichung.
Das Originalbild befindet sich in der Jugendbildungsstätte Don Bosco, Diözesanzentrum der DPSG - Essen -, Rummenohl.

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