Colle Don Bosco
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Baustelle Leben (2004)

Baustelle Leben


Eine Bildbetrachtung von P. Franz Harings SDB (Helenenberg) zu einem Don-Bosco-Bild von Werner Persy (Trier).


Wollen wir uns zu Beginn unserer Bildbetrachtung einmal den Aufbau der Darstellung anschauen. Wir sehen ganz vorne vier Jugendliche. Sie tragen verschiedene Dinge in ihren Händen. Einer, der wie ein Arbeiter aussieht, hat einen Hammer dabei. Sein Gesicht ist etwas schmutzig, scheinbar hat er eben noch an seinem Arbeitsplatz gestanden und ist nun schnell in unser Bild gekommen. Neben ihm ein Junge, der einen Stoß Papier bei sich trägt. Er ist besser gekleidet und hat ein weißes Hemd und einen roten Pullover an. Dann neben den beiden einer, der Gitarre spielt und scheinbar laut und fröhlich ein Lied singt. Er hat einen Strohhut auf und macht so ganz den Eindruck, als habe er Freizeit, Zeit zu singen und zu spielen, Zeit, die Seele baumeln zu lassen.
Wir sehen drei Jungen, die scheinbar ganz zufrieden sind. Ihr Gesichtsausdruck scheint ganz gelöst und froh. Ja, sie haben etwas zu tun, was ihnen scheinbar Freude macht. Der eine hat eine Lehrstelle, der andere scheint noch die Schule zu besuchen und der dritte freut sich seines Lebens. Doch im Vordergrund sehen wir noch einen vierten Jungen, um den Don Bosco seinen Arm gelegt hat. Er sieht sehr unglücklich aus. Seine Kleidung wirkt abgetragen und schmutzig. Sein Gesicht sieht traurig aus. Ein Jugendlicher, dem es nicht so gut zu gehen scheint. Ein Jugendlicher, wie es zurzeit auch in unserer Gesellschaft viele gibt. Trotz Bemühens finden sie keine Lehrstelle, finden nicht hinein in das Arbeitsleben, finden keinen sinnvollen Anschluss an ihre Schulzeit.
Vor einigen Tagen traf ich eine 18 jährige junge Frau, die schon über hundert Bewerbungen geschrieben und noch immer keine Zusage bekommen hat. Den Traum, eine Ausbildung im Garten ¬und Landschaftsbau zu machen, hat sie aufgegeben. Nur eine Lehrstelle finden, egal was, so lautet nun ihre Devise. Im Gesicht des vierten Jugendlichen scheinen sich solche Erfahrungen wiederzuspiegeln. Unglück, Frustration, Isolation scheinen ihn gefangen zu halten. In einer Welt, wo Marken zählen, wo jeder ein "Superstar" sein möchte, wo man ein möglichst modernes Handy haben und die Kleidung von ganz besonders teuren Firmen stammen muss, da hat er keinen Platz. Er wird nicht umworben und von den anderen wird er gemieden.
Aber wir sehen auch, dass Don Bosco ihn ganz besonders in seinen Arm nimmt, dass er ihn schützend umschließt. Don Boscos Gesicht strahlt Ruhe, Frieden und eine tiefe Zufriedenheit aus. Etwas, was dieser Junge nicht zu kennen scheint. Er sehnt sich danach, doch wo:soll er dies finden?
Finden kann er diese Freude hinter Johannes Boscos Rücken. Da sehen wir Jugendliche, die fröhlich und ausgelassen sind. Einer winkt dem Betrachter zu. Sie scheinen innezuhalten von ihrem Fußballspiel und die Betrachter des Bildes anzuschauen. Sie sind froh, heiter und ausgelassen. Sie haben Spaß im gemeinsamen Spiel, erleben Gemeinschaft und dass sie nicht einsam und alleine sind. Sie erleben aber auch, dass man sich an Regeln halten muss, soll das Fußballspiel Freude machen und gelingen.
Hinter ihnen sehen wir ein Gestell aus Holzbalken. Mir scheint, dass dies eine Baustelle darstellt. Das Leben ist eine Baustelle. Wir bauen jeden Tag daran weiter. Gerade Jugendliche legen das Fundament für ihr Leben. Sie benötigen dabei dringend Perspektiven und Zukunftschancen. Soll ihr Leben so froh und schön werden, wie es uns die weiße Stadt im Hintergrund anzeigt, dann brauchen sie ein tragfähiges Fundament, auf dem sie ihr Lebenshaus errichten können.
Don Boscos linke Hand scheint den Jugendlichen zeigen zu wollen: Schaut euch diese Stadt an, schaut, was ihr aus euerem Leben machen könnt. Schaut, welche Möglichkeiten und Talente, welche Fähigkeiten und Stärken ihr habt und habt Mut, den Bau eures Lebenshauses zu beginnen. Und wie in dieser Stadt, so sehen alle Lebenshäuser unterschiedlich aus. So werden auch die einzelnen Menschen nur zufrieden und froh sein können, wenn sie an ihrem individuellen Haus arbeiten und aufbauen
Don Bosco scheint diesen Jugendlichen die Welt erschließen zu wollen. Ihnen helfen zu wollen, dass jeder der Jugendlichen den Mut findet, trotz schwerer Erfahrungen, trotz scheinbar unüberwindlicher Hindernisse, trotz Frust und Depression, an seinem Leben zu bauen, sein Leben zu wagen. .
Dieses Bild drückt durch seine bunte Farbe und dieses freundliche Wesen Don Boscos aus, das die Jugend eine Chance braucht, dass sie Schule, Ausbildung, aber auch Spaß und Frohsinn braucht, damit sie an ihrer Lebensbaustelle arbeiten können. Trotz schwieriger Zeiten, in denen es nicht leicht fällt eine Lehrstelle zu finden, den Idealen der Zeit zu entsprechen, wo Anforderungen und Erwartungen an den einzelnen jungen Menschen gestellt werden, die er nur schwer erfüllen kann, scheint uns dieses Bild zu sagen: Leben kann gelingen, Sinn und Erfüllung kann man finden und es ist an uns, den Jugendlichen, wie Don Bosco auf diesem Bild, dabei zu helfen, dass sie an ihrer Lebensbaustelle arbeiten können.


Bild:
Galerie Chlodwig Seimer, Haar Heiligengestalten
Don Bosco von Werner Persy, Farbsiebdruck, Format 70/89 cm

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